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Gut älter werden in Menden und was moderne Geriatrie heute schon leisten kann und muss

By 14. Oktober 2026No Comments

Gut älter werden in Menden und was moderne Geriatrie heute schon leisten kann und muss

Vortrag von Chefarzt Bruno Myschor im Rahmen des Politischen Frühstücks der Seniorenunion am 7. Oktober 2026

Warum es eine geriatrische Abteilung im Mendener Vincenzkrankenhaus gibt, erklärte der Geriatriker Bruno Myschor den aufmerksam zuhörenden Teilnehmern des Politischen Frühstücks im Hinblick auf die Besonderheiten älterer Patienten und das Bestreben, diesen ihre Mobilität und Selbstständigkeit so weit wie möglich zu erhalten bzw. ggf. wiederherzustellen.

Die anzuwendenden Mittel seien die gleichen wie für alle anderen Patienten, es gebe keine speziellen Medikamente oder Hilfsmittel. Der Unterschied zwischen den Generationen sei im wesentlichen darin zu sehen, dass alte Menschen häufig mehrere Erkrankungen aufweisen. Man spricht von „Multimorbidität“. Dieser Umstand erfordert ein besonders aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener medizinischer Anwendungen. So muss die Interaktion unterschiedlicher Medikamente berücksichtigt werden. Außerdem müssen die Therapien der verschiedenen Unterabteilungen aufeinander abgestimmt werden.

Der geriatrische Patient wird in seiner Ganzheit in den Blick genommen und die Behandlungen müssen zielorientiert als Gesamtkomplex angewandt werden. Übergeordnetes Ziel ist die Erhaltung oder Wiederherstellung der größtmöglichen Selbstständigkeit, die als wesentlichen Bestandteil eine ausreichende Mobilität enthält. Zudem braucht eine Genesung bei älteren Menschen häufig mehr Zeit.

Zahlreiche Therapeuten sind an den Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels beteiligt:

Eine wesentliche Aufgabe der Ärzte sieht Myschor darin, die Gesamtbehandlung zu steuern und zu koordinieren.

Geriatrische Pflegekräfte haben eine Spezialausbildung, die sie in die Lage versetzt, die Patienten nicht nur zu pflegen, sondern ihnen spezifische Anleitungen zu geben, um Mobilität und Selbstständigkeit zu fördern, was natürlich einen größeren Zeitaufwand erfordert. Deshalb beträgt die normale Verweilzeit auf der geriatrischen Station 14 Tage – nicht vergleichbar mit der Dauer von z.B. rein chirurgischen Patienten, die im Normalfall bereits nach wenigen Tagen nach Hause entlassen werden.

Die Physio- und Ergotherapie wird von Fachkräften des Mendener Physiozentrums betrieben. Damit die Maßnahmen von den Krankenkassen finanziert werden, müssen jeweils mindestens 20 Therapie-Einheiten durchgeführt werden.

Logopädische Behandlungen benötigen im Wesentlichen Patienten mit neurologischen Erkrankungen sowie mit Schlaganfall.

Psychologische Fachkräfte stehen den Patienten einmal pro Woche für Psycho- oder Gesprächstherapie zur Verfügung.

Der  Sozialdienst  berät im Hinblick auf Anschlussbehandlungen bzw. auf das Leben der Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Fragen wie „Wo und in welcher Umgebung wohnt der Patient?“, „Gibt es Hilfe durch Angehörigen?“, „Gibt es Defizite bei der häuslichen Versorgung bzw. bei der Gestaltung des Wohnraums?“ Der Dienst leistet Beratung und Unterstützung bei der Unterbringung in Kurzzeit- oder Dauerpflegeplätzen.

Bei der Frage nach einer Entlassung aus der Geriatrie spielt nicht zuletzt der Ernährungszustand eine Rolle, der von der Ernährungsassistentin überprüft wird, die auch Empfehlungen zu einer angemessenen Ernährung gibt, die die Genesung fördern kann.

Bei der Behandlung des Patienten stellen sich Fragen nach dessen eigenem Ziel und dem der Therapeuten. Dabei sollen realistische Ziele in den Blick genommen werden, um eine Überforderung und unerfüllbare Erwartungen zu vermeiden.

Einmal wöchentlich findet unter ärztlicher Leitung eine Besprechung aller beteiligten Fachgruppen statt, wobei auch die Realisierbarkeit der Ziele berücksichtigt wird.

Bruno Myschor zeigte die Entwicklung der geriatrischen Abteilung seit 2017 auf, die sich von 17 Betten über 40 Betten im Jahr 2019 erweitert hat und seit 2022 ein Alterstraumatologiezentrum mit integrierten unfallchirurgischen Betten enthält, das demnächst noch um 10 bis 16 Betten erweitert werden soll.

Der Referent führte im Folgenden 10 Punkte auf, die beachtet oder eingeführt werden sollen:

  1. Prävention, z.B. Sturzprophylaxe im Alltag, evtl. unterstützt durch altersgerechten Umbau in Haus oder Wohnung
  2. Leitprinzipien der Versorgung: Selbstständigkeit, persönliche Kontakte, Fähigkeit zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Lebensperspektive; prioritär gegenüber dem Faktor Lebensverlängerung
  3. Geriatrische Assessments zur Testung kognitiver Fähigkeiten, der Mobilität, der Muskelkraft, des Gleichgewichts, der Neigung zu depressiven Zuständen mit Hilfe eines multiprofessionellen Teams
  4. Vernetzung mit dem Hausarzt/der Hausärztin
  5. Flächendeckende Etablierung von ambulanten geriatrischen Zentren
  6. Verstärkung von Rehabilitation und mobiler Versorgung; ambulante Rehabilitation derzeit im Physiozentrum Menden; Einrichtung „Sicher daheim“: Hausbesuche an 6 Tagen pro Woche jeweils für eine Stunde
  7. Vernetzung  zwischen Ärzten, Physio-/Ergotherapeuten, Angehörigen
  8. Abbildung der Realität des Alters und der Frailty (Gebrechenszustand) bei der Finanzierung
  9. Stärkung der Geriatrie in Forschung und Lehre sowie Weiterbildung
  10. Funktions- und patientenorientierte Digitalisierung, wirksamer Schutz vor Hackerangriffen

Insgesamt weise die Geriatrie in NRW einen guten Standard auf, konstatierte der Chefarzt, er forderte jedoch mehr Öffentlichkeitsarbeit.

Marika Eggers

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